Studie mit eine oralen Medikament Phase II a

Mitte November 2004 hatte ich einen undefinierbaren Schub (? wenn es denn einer war) und ging damit zu meiner Neurologin.

Ob dieses Zittern am ganzen Körper mit frieren und einer inneren Unruhe als hätte ich 5 Kannen Kaffee getrunken, nun von der MS her kommt bzw. ein Schub ist konnte und wollte sie sich auch nicht festlegen. Was aber für uns beide feststand, Kortison zu geben macht nicht viel Sinn, insbesondere da dies bei mir genau diese Wirkung hervorruft ... ich hatte aber wirklich auch noch nichts davon bekommen.

Also gab es erst mal ein Antidepressiva mit beruhigender (sedierender) Wirkung, namens Trimipramin-neuraxpharm 100 ... die halfen erstmal prima.

Tja und da ich ja nun mal derzeit keine Basistherapie machte, die musste ich auf Grund der Nebenwirkungen und wenig Wirkung abbrechen, fragte sie mich, ob ich an einer Studie zu einem oralen Medikament teilnehmen würde. Sie erzählte mir, dass sie am Samstag bei einem Qualitätszirkel der Neurologen zu MS von dieser Studie erfahren habe, die ambulant (also bei zwei niedergelassenen Neurologen stattfinden sollte.

Der Vorteil einer solchen Studienteilnahme kann sein, dass man genauestens untersucht wird und außerdem wäre es doch gut, wenn es für uns auch bald ein orales Medikament als Basistherapie geben wird. Der Nachteil ... man weiß nicht was man sich und seinem Körper da so antut.

2 Tage später, an einem Mittwoch war ich in der Praxis von Dr. Boldt zu einem erstens Informationsgespräch, der mir zunächst erklärte, wie das Medikament wirkte und wann und wie viel davon zu nehmen sei.

Soll wirken wie Antregen / Tysabri, näheres siehe Artikel von Siep zu Antegren

In einer Ankündigung aus der DMSG Zeitung für Berlin habe ich kurz vor Studieende folgenden Aufruf und Erklärung gefunden:

"Neues Erfolgversprechendes orales Therapieprinzip zur Behandlung der Multiplen Sklerose?"

"Seit einiger Zeit sind Chemokin-Rezeptoren unde deren medikamentöse Hemmung in das Augenmerk geraten. Therapeutische Effekte ergeben sich u. a. daraus, dass der Durchtritt aktiver weisser Blutkörperchen durch die Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn abgebremst wird."


Außerdem hatte der Neurologe bei diesem Gespräch (mit) mir auch gleich geklärt, ob ich in die Studienkriterien reinpasste ... soweit diese Klärung vorab möglich war. Dazu gehören: Des weiteren musste ihn Screening Untersuchungen geklärt werden, ob ich die folgenden Kriterien erfüllte: Mindestens 1 aktiver Herd, der Kontrastmittel aufnimmt ... Tja und nun ging es los, wieder 2 Tage später, an einem Freitag, müsste der 19. November gewesen sein, hatte ich dann um 10:30 den ersten Screening Termin. Da wurde dann Normalerweise ist da diese Praxis Freitags zu, sodass ich an diesem Tag die vollste Aufmerksamkeit genießen konnte.

Zunächst wurde ich erst mal in die Hände der Arzthelferinnen bzw. MTA gegeben die dann: Gleich danach ging es dann zu Dr. Boldt, der mich dann ausführlich neurologisch untersuchte: Anschließend folgte noch eine umfangreiche Fragebogenaktion, indem die zunächst die Untersuchungsergebnisse festgehalten wurden ... und auch weitere Sachen abgefragt wurden.

Abschließend gab es noch diesen Tuberkulintest, bei dem ein Mittel unter die Haut gespritzt wurde.

Es gab dann einen sogenannzen "Besuchsplaner für RRMS Studieprotokoll 003" Darin wurde nun festgelegt in welchen Zeitabständen die 7 Termine beim Neurologen (Besuchstermine) und die 5 MRT-Untersuchungen stattfinden sollten.

1. Besuchstermin:
Datum: 19.11.2004 Uhrzeit: 9:30

Termin zur Ablesung des Tuberkulintests (2-3 Tage nach Durchführung des Tests):
Datum: 22.11.2004 Uhrzeit: 10:30

Röntgenaufnahme des Oberkörpers (nur falls TB Test positiv)
Datum: ---- Uhrzeit: -----

Diese Röntgenaufnahme konnte ich mir zum Glück ersparen, weil der Tuberkulintest entsprechend negativ ausgefallen ist.

1. MRT Untersuchung (innerhalb von 7 Tagen nach dem 1. Besuchstermin):
Datum: Mi 24.11.2004 Uhrzeit: 17:00

Zum ersten war ich erst mal ziemlich erstaunt, dass so schnell ein MRT-Termin zu kriegen war ... auf den letzten habe ich 3 Monate warten müssen ... wirklich gut wie dies bei einer Studie klappt. Kurz bevor ich dann los wollte, erhielt ich einen Anruf ob ich auch eine ¾ Stunde später kommen könnte. Klar konnte ich ... immer besser als dort dumm rum zu warten.

Eingang zum MRT vom Martin Luther Krankenhaus in Berlin

Eingang zum MRT vom Martin Luther Krankenhaus in Berlin

Dort angekommen gab ich erst mal den Studienzettel ab ... das war sozusagen ein Art Überweisungsschein der Pharmafirma für deren Abrechnung. Dann musste ich dort ... wie bei jedem MRT das Einverständnisformular ausfüllen bzw. unterschreiben. Tja und warten musste ich dann leider trotzdem noch ... so konnte ich dann mal wieder beobachten ... wie die starken Männer hinterher ganz schwach wurden.

Zur Umkleidekabine um was mit Metall am Körper war ggf. abzulegen ... hmmm also auch Brille ab ... und dann bin ich doch immer so hilflos.

Bitte Platz nehmen zum einjustieren

Bitte Platz nehmen zum einjustieren

Tja und dann ging die Prozedur los ... Kontrastmittelgabe vorbereiten ... richtig positionieren (bei mir immer ohne was unter die Kniee)... genauste Erklärungen des Ablaufes ... die sie dann auch ansagen würde. Klingelknopf in die Hand und ab ging es in die Röhre ... etwa eine Stunde sollte die Messung nur für den Schädel dauern.

Tja und so sieht es aus wenn man mit für den Kopf / Schädel reingefahren wird

Tja und so sieht es aus wenn man mit für den Kopf / Schädel reingefahren wird

Ich fand es ganz angenehm, dass sie immer sagte diese Messung dauert 3 Minuten ... die nächste 5 Minuten ... jetzt sind es 4 Minuten und nun kommt die längste mit 7 Minuten ... begleitet von den unterschiedlichsten Klopf- und Hämmergeräuschen ... wovon ein Geräusch genauso unangenehm war wie mein Wecker zuhause. Dann wurde ich rausgefahren, bekam das Kontrastmittel reingejagt ... was sich so kalt die Vene entlang schlängelte und dann durfte ich 5 Minuten ausruhen bevor die letzten 2 Messungen gemacht wurden. Beim rausgehen warf ich noch mal einen Blick auf die Bilder auf dem Auswertungs-PC und da sah ich auch schon den geforderten Herd schön weiss und groß mir entgegenblinken.

Und hier der Blick auf den Auswertungs-PC

Und hier der Blick auf den Auswertungs-PC

Da es nun schon recht spät geworden ist, konnte ich die Bilder und den Bericht erst am nächsten Tag abholen. Aber auch ich war schon ziemlich geschafft ... obwohl ich ja nur eine Stunde möglichst still liegen musste ... kann dass ja doch ganz schön anstrengend sein.

Auszug aus dem Bericht:
"Beurteilung:
Bei bekannter ED Nachweis mehrerer Entmarkungsherde supratentoriell periventrikulär.
Ein größerer Herd rechts frontal mit Schrankenstörung als Zeichen der Aktivität.
Des weiteren Verdacht auf jeweils eine winzige Läsion links und rechts cerebellär."

Tja so hatte ich den geforderten kontrastmittelaufnehmenden Herd und erfüllte somit die Bedingungen für die Studie.

Termin beim Augenarzt (14 Tage nach der 1. MRT Untersuchung)
Datum: Di 21.12.2004 Uhrzeit: 9:00

Tja dies war wohl das schwierigste Kapitel ... denn in Berlin ist es schwierig einen Augenarzttermin zu bekommen und dann noch jemand der diese Kamera hatte. Deshalb hatte mein Neurologe den Augenarzt rausgesucht. Zum 1. Termin der vereinbart wurde, trabte ich an und dann wurde mir gesagt ... die Kamera ist kaputt ... sie müsste den Arzt mal fragen ... was nun zu tun sei. Tja nur gut das der Termin eh so ungünstig lag ... sonst hätte ich mich über diese Nettigkeit schon mal sehr geärgert ... hätten ja doch ruhig anrufen können um den Termin zu verschieben. Nach einigen Minuten teilte mir die Arzthelferin ... oder was das auch immer war ... mit, dass sie mich wegen einem neuen Termin anrufen würden ... sobald die Kamera heil sein würde. Nach dem ich eine Woche lang nichts von denen hörte rief ich an wegen dem Termin ... weil sonst die ganze Terminabfolge des Studienprotokolls nicht mehr hinhauen würde. Ergebnis, die Kamera ist immer noch kaputt ... die Glühbirne wäre aber schon bestellt ... sie werden sich melden. Keine Angst ich erzähle nicht weiter wie oft ich zwischen Neurologe und Augenarzt hin und her telefoniert hatte. So fand der Termin fast eine Woche später statt ... um nicht zu sagen auf den aller letzten Drücker.

Zunächst wurde ich erst mal halb blind geträufelt ... obwohl ich schon zu Beginn sagte, dass ich auf die Augentropfen recht empfindlich reagierte ... kippte sie mir da fast die halbe Flasche rein ... so dass meine Augen überliefen. Tja und dann wartete ich erst mal ewig ... war ja auch nötig ... da meine Augen ja so intensiv reagierten (Vorsicht: Ironie). Dann wurde erst mal der Augenhintergrund betrachtet vom Arzt ... sodass ich dann hinterher schon recht blind von dem hellen Licht war. Anschließend versuchte ich halb blind in die Abstellkammer zu folgen ... indem dann dieses spektakuläre Gerät stand. Der Schraubenzieher lag noch daneben und auch der Kleinbildfilm ... dieses Gerät war nämlich eine stinkordinäre Kleinbildkamera. Nachdem ich dann lange genug gewartet habe, erschien dann auch endlich der Augenarzt und es konnte nun hoffentlich losgehen. Er mühte sich redlich leuchtete mir ständig ins Auge und meinte dann nur irgendwann ... also an der Glühbirne lag es wohl nicht, dass dieses Gerät kaputt war. Der konnte nur froh sein, dass ich schon so blind und fassungslos war und dieses Gerät zwischen uns war ... ich glaube ich hätte mich sonst das erste mal nicht im Griff gehabt. Er griff dann in die Schublade und holte eine Taschenlampe heraus ... mit der er dann allen Ernstes versuchte das fehlende Licht zu ersetzen.

Menno war ich froh, als ich zuhause war ... allerdings kämpfte ich noch gut drei Tage mit den geweiteten Pupillen und der Dienstag war vollkommen daneben ... weil ich einfach kaum gucken konnte.

Ach so meine Retina soll vollkommen in Ordnung sein ... ein Schelm der böses dabei vermutet.

2. Besuchstermin: (am selben Tag oder innerhalb von 3 Tagen nach der 2. MRT Untersuchung):
Datum: Mi 22.12.2004 Uhrzeit: 10:30

Tja erfreut wurde mir mitgeteilt, dass die Studie beginnen kann, deshalb gab es mal wieder eine umfangreiche Untersuchung ... wie beim erstenmal. Der Fragebogen dafür war ein wenig kürzer.

Das einzige was wirklich anders war ... nun erhielt ich die ersten (von drei) Dose Tabletten, um sie am nächsten Tag einzunehmen. Natürlich wusste weder ich noch der Arzt ob es Placebo oder der Wirkstoff in welcher Konzentration sein wird.

In dem Deckel liegen zwei von den Tabletten drin

In dem Deckel liegen zwei von den Tabletten drin ... viel Spass beim suchen ... das grosse Runde davor ist ein Feuchtigkeitsschutz

Am nächsten morgen durfte ich dann mit der Einnahme der ersten 2 Tabletten beginnen ... die mich von der Größe und Form sehr stak an Süßstoffstückchen erinnerten ... allerdings keinerlei Beigeschmack hatten.

2. MRT Untersuchung (28 +/- 3 Tagen nach der 1. MRT Untersuchung):
Datum: Mi 22.12.2004 Uhrzeit: 17:30

Von diesem Termin erfuhr ich natürlich erst direkt morgens bei dem 2. Besuchstermin, aber ich hätte es mir ja denken können. Dieses MRT verlief auch nicht anders wie das einen Monat zuvor ... außer dem Ergebnis. Der kontrastmittelaufnehmende Herd hat sich gut zurückgebildet, wie mir die Ärztin abschließend sagte. Ich grinste ... mein Körper ist doch manchmal schon recht clever ... nun wird der Herd nicht mehr gebraucht ... für die Studie hat es im ersten MRT gereicht ... also kann er sich nun zurückbilden ... was wollte ich mehr.

Im Bericht stand dann:
"Im Vergleich zum Vorbefund vom 24.11.04 zeigt sich folgende Befundänderung: 1. Zum jetzigen Zeitpunkt kein Anhalt für eine Floridität, komplette Rückbildung der Bluthirnschrankenstörung rechtsfrontal. 2. Im übrigen identische Darstellung der bekannten Encephalitis disseminata mit identischer Herdanzahl supra- und infratentoriell, Black holes."

3. Besuchstermin: (ca. 1 Woche nach dem 2. Besuchstermin):
Datum: Mi 29.12.2004 Uhrzeit: 9:30

Dieser Besuchstermin war etwas ungewöhnlich ... zur Abwechslung wurde mir heute zweimal Blut abgenommen ... zunächst nüchtern ... auch ohne die Studienmedikamente eingenohmen zu haben ... dann durfte ich mir eine Stunde die Zeit vertreiben und dann wurde nochmals nach dem Frühstück Blut abgezapft. Damit sollte bestimmt werden wie das Medikament ... nachdem sich bereits nach einer Woche ein gewisser Spiegel aufgebaut hat, nun weiter sich im Blut bemerkbar macht.

Außerdem sollte ich 1 Woche zuvor ein sogenanntes Patiententagebuch ausfüllen und zu diesem Termin abgeben. Dies war ein einfaches Din A 4 Blatt auf dem sollten lediglich das Datum und die Uhrzeit der Medikamenteneinnahme notiert werden. (hihihi Rentnerzeiten wurden somit auch erfasst.)

3. MRT Untersuchung (28 +/- 3 Tagen nach der 2. MRT Untersuchung):
Datum: Mi 19.01.2004 Uhrzeit: 17:30
Und schon wieder ging es in die Röhre ... mit folgendem Ergebnis: "Befund:
Supratentorieller Befall bei bekannter Encephalitis disseminata, keine infratentoriellen Herde."

Tja die Berichte werden nun auch schon immer kürzer!!!

4. Besuchstermin: (28 +/- 5 Tagen nach der 2. MRT Untersuchung):
Datum: Fr 21.01.2004 Uhrzeit: 9:30

Auch hier wurde wieder das Anfangsprogramm durchgezogen. Neu dazu kam natürlich die Frage nach den Nebenwirkungen ... oder kam sie schon das Mal zuvor ... zumindest konnte ich noch keine feststellen ... ausser einem leichten Juckreiz ... der aber wirklich direkt einen Abend zuvor auftrat und durchaus auch das Kontrastmittel hätte sein können.

4. MRT Untersuchung (56 +/- 3 Tagen nach der 2. MRT Untersuchung):
Datum: Mi 16.02.2004 Uhrzeit: 17:30

"Befund:
Weiterhin supra- und infratentorieller Befall bei bekannter Encephalitis disseminata, keine Floridität. Angedeuteter black hole rechts cerebellär, supratentorieller keine black hole nachweisbar."

5. Besuchstermin: (28 +/- 5 Tagen nach der 2. MRT Untersuchung):
Datum: Fr 18.02.2004 Uhrzeit: 9:30

Na ja was soll ich sagen ... auch hier fand wieder die Untersuchungsroutine vom ersten Mal statt ... aber zur Abwechslung mal wieder ohne EKG. Einzige Nebenwirkung ist der wieder aufgetrettene Juckreiz.

6. Besuchstermin: (84 +/- 5 Tagen nach der 2. MRT Untersuchung):
Datum: Mi 16.03.2004 Uhrzeit: 9:30

Und nochmals das volle Untersuchungsprogramm ... und diesmal auch wieder mit EKG. Tja inzwischen hält sich der Juckreiz auch hartnäckig und ist auch äußerst unangenehm geworden.

Tja hier musste ich nun auch die Medikament endgültig abgeben.

5. MRT Untersuchung (84 +/- 3 Tagen nach der 2. MRT Untersuchung):
Datum: Mi 16.03.2004 Uhrzeit: 17:00

"Befund:
Weiterhin deutlicher supratentorieller Befall mit Beteiligung beider Hemisphären. Solitärer Herd rechts cerebellär.
Keine Floridität.
Befundkonstanz im Vergleich zum Februar 2005"

7. Besuchstermin: (14 - 17 Tage nach dem 6. Besuchstermin):
Datum: 30.03.2004 Uhrzeit: 9:30

Und nochmals wurde das volle Programm durchgezogen aber wieder ohne EKG.

Jetzt steht nur noch die letzte Augenarztuntersuchung aus ... aber diesmal bei einem anderen Arzt ... darauf habe ich bestanden ... nur ihr glaubt es kaum ... bei ihm war vor meiner Kur das Gerät kaputt.

Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern bis die Studie komplett ausgewertet ist und auch entblindet wurde ... also klar ist wer was bekommen hat. So werde ich auch noch geduldig warten müssen, bis ich erfahre ... ob und wie viel ich von diesem Wundermedikament bekommen habe.